Debut CD Prologue

Es ist wie bei einem guten Film. Lange vor der Peripetie baut sich die Gesamtheit der Geschichte allmählich auf. Beginnend, oftmals, mit einem Prolog, einer Art Einleitung, oder aus literarischer Sicht, ein Vorwort. Hierbei werden Informationen zu der bevorstehenden Geschichte, Vertonung oder Werk gegeben. Im Bereich des Journalismus wird dies als Editorial bezeichnet oder wie bei oben erwähntem Film auch als Vorspann. In vorliegender Situation kann man in eben diesem Zusammenhang von einem ersten, großen Schritt sprechen. Einen Schritt den der saarländische Komponist, Big Band Leiter und Schlagzeuger Kevin Naßhan vornimmt, fulminant und beeindruckend zugleich. Bei seinem Debütalbum eine 17-köpfige Big Band, zwei Sänger und zusätzliche Streicher zu koordinieren und als schlagzeug-spielender Taktgeber zu dirigieren ist schon etwas Besonderes, dann aber auch noch als Komponist zu fungieren und es mit eben dieser Produktion zu schaffen die wohl talentiertesten und besten Musiker einer Generation und eines ganzen Bundeslandes zu einen, das beeindruckt dann doch schon sehr. Das Resultat dieses Prozesses findet seinen bisherigen Höhepunkt im Januar 2018 mit dem neuen JAZZNARTS RECORDS Release: Silent Explosion Orchestra by Kevin Naßhan – Prologue.

Durch die Intension von Kevin Naßhan bildete sich 2014 das Silent Explosion Orchestra, bestehend aus jungen Profimusikern aus dem Saarland, Mainz, Wiesbaden und Köln. Neben der 17-Köpfigen Band sind die Sänger Svenja Hinzmann und Andreas Braun fester Bestandteil des Ensembles. So beschreibt der Bandleader das Arbeiten mit seinem Ensemble: „Ich bin immer wieder neu von dem großen Sound und der Energie begeistert und genieße die Herausforderung dieses mit lenken zu dürfen. Ich sehe meine Aufgabe als Schlagzeuger als Bindeglied zwischen den verschiedenen Sections und Solisten sowie dem Tutti zu fungieren und die musikalische Richtung mitvorzugeben.“ Aber immer mit dem entsprechenden Respekt gegenüber der Tradition und dem Bewusstsein für Innovation und die Vielseitigkeit, welche die Musik bietet. „Generell sehe ich mich natürlich als Jazzmusiker und mag die verschiedenen Stile des Jazz. Besonders interessant finde ich aber auch die Mischformen bzw. die Einflüsse anderer Stile. Generell ist mein Musikgeschmack sehr breit aufgestellt und das versuche ich auch bei der CD zu zeigen,“ so Naßhan weiter. Und dies gelingt mit nahezu spielerischer Leichtigkeit. 

Umklammert wird die Gesamtheit des Albums durch den ersten und gleichzeitig auch Titeltrack Prologue. Ein Spiegelbild der kompletten Konzeption: Gesangparts, solistische Parts für Streicher und Bläser, ein sehr farbenreiches Intro anschließend mit Übergang zu einem jazzig-groovigen Teil bevor das Finale einen fast hymnischen Charakter trägt. Genauso wie das zweite Stück auf der Produktion, beide im Übrigen aus der Feder des Bandleaders, Rainfall. Hier beginnt die Geschichte ins Detail zu gehen, ein weiteres Stück der Gesamtheit nimmt Form an. Das Bild eines regnerischen Herbsttages wird gemalt. Zu dem Besensolo gesellen sich plätschernde Akkorde der Streicher. Eine romantische Melancholie und eine starke Bildsprache. Mit zwei Arrangements zu den Welthits Englishman in New York von Sting und Both Sides Now von Joni Mitchell zeigt Kevin Naßhan die Vielseitigkeit seiner Produktion. Beide Stücke aus der Welt der Popmusik, welche allerdings schon damals von reinen Jazzmusikern eingespielt wurden. Die Story des Albums wird weitergeschrieben. Unterstützt wird er hierbei insbesondere von zwei Gastsolisten. Johannes Müller mit seinem Track Great Expectations und Philipp Schug mit Koulikoro welche mit der jeweiligen Eigenkomposition auf dem Album vertreten sind. Im weiteren Verlauf der Geschehnisse nimmt sich Naßhan ein weiteres Stück der Musikgeschichte als Inspiration. Road to Hell basierend auf der Tonfolge des bekannten Gitarren-Riffs von Hell's Bells von AC/DC, welches mit neuer Rhythmik und Metrik umgeformt und somit als komplett neues Stück geschrieben wurde. Bevor mit dem Epilogue das anfänglich gemalte Bild Vollendung findet und das Debütwerk des Saarländers abschließt.

Entstanden ist ein wahrlich besonderes Debütalbum. Kevin Naßhan überzeugt durch sehr viel Raffinesse und einem starken Bewusstsein gegenüber seiner Musik. Musik nicht nur für Big Band und Jazzfans, auch weit darüber hinaus. Umgesetzt durch das Silent Explosion Orchestra zeigt der Bandleader die große, musikalische Vielfalt des kleinsten Bundeslandes und überzeugt hierbei auf gesamter Linie.

Eingespielt wurde das Album beim Saarländischen Rundfunk.